Apollinarisberg

P. Peter Höller OFM

Von weit her ist sie zu sehen: die Remagener Apollinariskirche mit den vier spitzen Türmen. Malerisch liegt sie auf einer Anhöhe am Nordrand der alten Römerstadt. Diese neugotische Kirche hat ihren eigenen Stil. Der Kölner Dombaumeister Zwirner baute sie vor 130 Jahren mit ausgedehnten, durchgehenden Wandflächen, wie sie bei der Gotik sonst nicht üblich sind. Er wollte Raum schaffen für die monumentalen Gemälde der Nazarenerschule. Zwei große, typisch gotische Hochfenster lassen reichlich Licht in den farbigen Raum.

Die Bilder schildern in drei Zyklen das Leben unseres Herrn Jesus Christus, seiner Mutter Maria und des heiligen Apollinaris. 1857 wurde das letzte Gemälde fertiggestellt. Am Apollinarisfest, dem 23. Juli 1857, brachte man die Haupt-Reliquie des heiligen Märtyrers aus der Remagener Pfarrkirche Sankt Peter und Paul in feierlicher Prozession in das neue Gotteshaus.

Im selben Jahr vertrauten die Grafen Fürstenberg-Stammheim, die bis heute Eigentümer des Apollinarisberges sind, die Kirche und die Apollinariswallfahrt dem Franziskanerorden an, der auf Franz von Assisi zurückgeht. Das Kloster Remagen gehört zur kölnischen Ordensprovinz, die sich vom Niederrhein (Xanten) bis zur Rheinpfalz erstreckt und auch das Saarland umfaßt.

Das im 19. Jahrhundert errichtete Klösterchen wurde baufällig. Seit 1974 bewohnen die Franziskanerein neues, bescheidenes Haus, in welchem sich seit 1981 das Klerikal der Ordensprovinz befindet. Zur Zeit besuchen acht junge Mitbrüder von hier aus die Universität Bonn, um sich auf den priesterlichen Dienst vorzubereiten. Jetzt wird das Dachgeschoß ausgebaut, um neu hinzukommenden Brüdern Platz zu bieten. Aufs ganze gesehen ist die Zahl der »Neuen« immer noch zu gering, aber wir freuen uns über diese muntere »kleine Herde«, die Grund zur Hoffnung gibt.

Alljährlich um das Apollinarisfest (23. Juli) findet die Hauptwallfahrtszeit statt, die zwei Wochen dauert. In diesen Tagen kommt eine große Zahl von Pilgern. Sie hat zwar im Vergleich zu früheren Jahren abgenommen, ist aber immer noch erfreulich hoch. Feststimmung herrscht auf dem fahnengeschmückten heiligen Berg.

Das ganze Jahr hindurch kommen größere und kleinere Gruppen, auch einzelne Pilger zum Apollinarisberg, um ihre Anliegen der Fürbitte des Heiligen zu empfehlen oder selbst vor Gott zu tragen.

In einem Fürbittbuch, das in der Kirche ausliegt, können die Pilger ihre Anliegen und Sorgen niederschreiben. Einige Bitten, die sich dort finden, sollen den Schluß dieses Beitrags hier bilden. Es sind schlichte Gebete des Vertrauens und der Dankbarkeit:

Bitte um Gesundheit für unsere Familie,
und Gott möge uns verzeihen.
Voor het examen van onze Rinderen.
Daß die Welt Frieden behält.
Soulager la maladie pour les membres de la famille.

Um Genesung von nervösem Halskrampf.
Herr hab Dank für deine Güte
und Barmherzigkeit.
For Natalie with a large blood tumor on her face.
Herr hilf mir in meiner Not.
Lieber Gott ich mag dich sehr. Deine Karin.

Eingebettet in die Rheinlandschaft: die Wallfahrtskirche auf dem Apollinarisberg bei Remagen