Arbeit für behinderte Mitbürger im Kreis Ahrweiler

Zehn Jahre Caritas-Werkstatt in Sinzig

Marlis Föhr

In einer provisorisch eingerichteten Halle der Nettebrauerei Mayen wurde 1972 der Grundstein gelegt für ein Projekt, das es in dieser Form in unserem Einzugsgebiet noch nicht gab:

die erste beschützende Werkstatt für Behinderte. Träger dieser Einrichtung war und ist bis heute der Diözesan-Caritasverband Trier. Mit dreißig Werkstattangehörigen aus der nahen und weiteren Umgebung und fünf Mitarbeitern begann ein bis heute bestens funktionierendes Unternehmen mit der Zielsetzung, behinderten Menschen die Eingliederung in das Arbeitsleben zu ermöglichen. Die jungen Leute wurden mit Omnibussen auch aus entlegenden Wohnorten nach Mayen gebracht und am Nachmittag wieder nach Hause gefahren. Den meisten machten auch diese oft anstrengenden Fahrten Spaß, und sie konnten es kaum erwarten, bis es am nächsten Tag wieder los ging.

In den ersten Jahren verkehrten die Busse jedoch nurbis Sinzig, und die Eltern mußten ihre Kinder täglich morgens in die Nachbargemeinde bringen und abends wieder abholen - für Berufstätige oft ein Abenteuer. Doch die Freude und Zufriedenheitder Behinderten über die neue Lebensperspektive ließen diesen Umstand als Nebensache erscheinen, und als man bei der Kreisverwaltung ein Einsehen hatte, den Bus auch über Remagen zu leiten, war die Freude groß.

Zu diesem Zeitpunkt waren es schon längst keine dreißig Werkstattangehörigen mehr, sondern die Zahl derjenigen, die für die Werkstatt in Frage kamen, stieg ständig weiter an. Darum entschloß man sich nach einer Planungsphase zu einem Neubau in Mayen, der 1977 in Betrieb genommen werden konnte. Eine Zweigstelle entstand 1984 zunächst in Cochem und zur Freude von Eltern und Betroffenen im Kreis Ahrweiler eine weitere 1987 in Sinzig. Als zunächst letzte Zweigstelle wurde 1995 die Werkstatt in Polch eingeweiht.

Die Behinderten-Werkstatt St. Elisabeth

Die Stadt Sinzig ermöglichte die Ansiedlung der Behinderten-Werkstatt St. Elisabeth innerhalb ihrer Gemarkung mit großer Einsatzbereitschaft - nicht immer eine Selbstverständlichkeit für eine Verwaltung, die die Interessen aller Bürger vertreten muß. Doch bis zum heutigen Tag sind die Bürger der Stadt Sinzig ihrem Auttrag, Schwachen und vom Leben Benachteiligten beizustehen, immer gerecht geworden.

Auch behinderte Menschen haben ein Recht auf Arbeit und Berufsausübung, und ihre Arbeit in der Werkstatt vermittelt ihnen Anerkennung und Zufriedenheit. Einmal erlernte Praktiken werden mit großer Zuverlässigkeit und Ausdauer durchgeführt. Das Arbeitsangebot, behindertengerecht und frei von Wettbewerbsstreß, fördert ihre Leistungsbereitschaft und Leistungsfähigkeit. Vielfältige und interessante Tätigkeiten in Schreinereien, Metallver- und -bearbeitungen, im Gartenbau, in Wäschereien, um nur einige Beispiele zu nennen, bieten viele Möglichkeiten, die Behinderten ihren Neigungen und ihren Möglichkeiten entsprechend zu beschäftigen. Die Auttraggeber sind Industrie, Kreise und Gemeinden, neben vielen privaten Kunden, die die Leistungen kennen- und schätzengelernt haben.

Erwachsenenbildung

Doch es wird in den Werkstätten nicht nur gearbeitet. Auch der Erwachsenenbildung wird stets der nötige Freiraum belassen. Umgang mit Partnerschaft und Freundschaft, Probleme des Altwerdens und Freizeitverhalten sind nur einige von vielen Themen aus diesem Bereich. Ein offenes Ohrfinden auch immerdie Angehörigen der Behinderten, denen man mit Rat und Tat ihren nicht immer einfachen Umgan'g mit den ihnen anvertrauten Menschen erleichtert.

Ein wichtiger Bestandteil, begleitend zur Werkstattarbeit, ist die Planung und Durchführung von Ferienmaßnahmen: Urlaub auf dem Land, an der See oder in den Bergen sind „Highiights" im Jahreskreis der Behinderten. Sport und Spiel, angepaßt an Leistungsvermögen und Aufnahmefähigkeit, sind ein weiterer wichtiger Schritt zur Entwicklung und Förderung des Sozialverhaltens. Regelmäßig stattfindende Feiern zu Karneval, Ostern, Weihnachten und zum Patro-natsfest sind auch nicht mehr weg zu denken.

Die Zahl der Werkstattangehörigen (122 Behinderte und 29 Mitarbeiter) ist weiterhin steigend und macht deutlich, daß die Notwendigkeit einer Betreuung von behinderten Menschen nicht weniger werden wird. Die CARITAS-Werkstatt St. Elisabeth in Sinzig besteht seit nunmehr zehn Jahren. Für den Kreis Ahrweiler und seine behinderten Mitbürger ist sie eine segensreiche Einrichtung. Hier finden sie Arbeit und Bestätigung, wichtig für sie selbst und für ihre Familien, die sie meist ein langes Leben begleiten. Der stets gute Besuch der Elternabende zum Ausklang des Jahres läßt immer wieder erkennen, wie eng die Partnerschaft zwischen der Werkstatt und den Betreuern einerseits, und den Eltern und Behinderten andererseits ist. Interessiert erwarten die Zuhörer den Tätigkeitsbericht des laufenden Geschäftsjahres und sind immer wieder überrascht, wenn die Verantwortlichen derWerkstatt die Zahlen zur Arbeitssituation vorlegen.

Menschen, die früher aus falscher Scham, abgeschirmt von der Öffentlichkeit meist in Heimen lebten, können heute mit Stolz auf die Ergebnisse ihrer Arbeit blicken.

Die Verwahreinrichtungen von einst haben sich nach modernen Erkenntnissen zu vollwertigen Gewerbe- und Handwerksbetriebe entwickelt. Viele Impulse der Werkstattleitung und des begleitenden Dienstes gehen aber auch nach draußen in die Gemeinden des Kreises Ahrweiler. Gemeinsame Freizeiten und Diskos mit Behinderten und Nichtbehinderten, schöne und nützliche Angebote auf den Weihnachtsmärkten der Umgebung, schließlich die vielen Treffen mit Eltern, Geschwistern und Freunden an den Wochenenden beim Wandern, kreativem Werken und bei Besuchen von Theateraufführungen und vieles mehr.

Die Freude der Behinderten ist eine Bestätigung für die vielen ehrenamtlichen Helfer und Helferinnen, die sich in ihrer Freizeit für diese gute Sache einsetzen. Eltern und Betreuer profitieren durch regen Erfahrungsaustausch oder nur durch das harmonische Zusammensein von diesen Aktionen.

So kann man nur wünschen, daß die Arbeit in beschützter Umgebung die Chancengleichheit der Behinderten weiter erhöht, damit eine bedarfsgemäße Betreuung auch in Zukunft möglich ist, und daß die partnerschaftliche Unterstützung durch den Kreis Ahrweiler, die Gemeinden und die Industrie in unserer Region erhalten bleibt.

Caritaswerkstatt.gif (59787 Byte)

Die Schreinerei der Caritas-Werkstatt in Sinzig.