2000 Jahre Remagen

Bausteine zur Geschichte der „Römerstadt"

Kurt Kleemann

„Was bewegt uns eigentlich, historisches Gedenken an die Regeln des Dezimalsystems zu binden. Besteht nicht in unserer Zeit ein stillschweigendes Einverständnis, Jubiläen mit zwei oder gar drei Endnullen rechtfertigen außergewöhnliche Aktionen?" So fragte Jürgen Haffke im Heimatjahrbuch 1994. „700 Jahre Remagen" hätte man 1921 feiern können, was aber wohl wegen der Zeitumstände nach dem Ersten Weltkrieg nicht ge-schah; 1971 beging man dann „750 Jahre Stadt Remagen".1) Im Jahre 2001 blickt man sogar auf 2000 Jahre Remagen zurück, und mancher Betrachter fragt, wie dieses Jubiläum zustande kommt.

1998 beklagte Jürgen Haffke, das Fehlen einer umfassenden Darstellung zur Stadtgeschichte von Remagen:„Lediglich einzelne Bausteine, zum Teil noch aus den 20er Jahren finden sich in den Bib-liotheken."2) Hier sollen einige dieser Bausteine in Erinnerung gebracht und neue Forschungsergebnisse der letzten 30 Jahre skizziert werden. Sie enthalten auch die Begründung für die 2000-Jahr-Feier.

Frühe Forschungen zur Stadtgeschichte

Im „Rheinischen Antiquarius" findet sich 1869 eine Geschichte Remagens, die Christian von Stramberg folgendermaßen einleitet: „Se. Hochwürden Hr. Pastor und Schulinspektor Knöppel hat die durch ihn seit 1853 zusammengetragenen Historischen Notizen über die Stadt Remagen mir zur Verfügung gestellt, und verhehle ich nicht, die werthvolle Arbeit zu veröffentlichen. Möge das schöne von Hrn. Knöppel gegebene Beispiel zahlreiche Nachfolger unter seinen Kollegen finden."3)

In nur einem Jahrhundert hatte sich die Einwohnerzahl Remagens mit Kripp von 1.411 (1809) über 2.241 (1857) auf 4.142 (1909) fast verdreifacht. Die Stadt wuchs über die mittelalterlichen Mauern hinaus. Bei Bauarbeiten waren zahlreiche Bodenfunde gemacht worden, was den Fabrikanten, städtischen Beigeordneten und Altertumsliebhaber Heinrich Reuleaux 1885 zu seinem Aufsatz „Remagen im Mittelalter und zur Römerzeit" anregte.4) Die Ergebnisse der Grabungen um die Jahrhundertwende wurden von Hans Lehner und dem Remagener Apotheker Eugen Funck ebenfalls in den Bonner Jahrbüchern publiziert. Die Eröffnung des Remagener Heimatmuseums 1905 in der ehemaligen Knechtstedener Kapelle stellte einen ersten Höhepunkt für die Altertumsfreunde dar. Der Hauptanteil der Kosten wurde von Kommerzienrat Max von Guilleaume übernommen. Sein Bruder Arnold von Guilleaume stellte 1915 die Mittel dazu bereit, dass Johannes Krudewig die Bestände des Stadtarchivs ordnete.5)

Das Kastell Rigomagus um das Jahr 200 n. Chr. (Bild von G. Ruch im Römischen Museum Remagen)

Wilhelm Josef Langen hatte schon vor der Jahrhundertwende begonnen, alle Informationen über die Geschichte Remagens zusammenzutragen. Seine Arbeit mündete in mehreren Publikationen.6) Die „Kurze Geschichte der Stadt Remagen bis zur Vereinigung mit Preußen", die er 1926 veröffentlichte,7) zeigt, dass damals die Urkunde von 1221 und ihr Siegel noch keinerlei Rolle spielten, so hat 1921 niemand daran denken können, eine 700-Jahrfeier auszurichten.

Hauptverdienst von Stadtarchivar Wilhelm Josef Langen war, dass er 1923 die Registratur der Stadtverwaltung vor der Vernichtung rettete und 1936 die Einrichtung des Stadtarchivs erreichte.8) In einer über 700 Seiten starken Chronik hatte er die Geschichte Remagens von den Anfängen bis zum Jahre 1890 handschriftlich festgehalten. An eine Publikation des dicken Bandes war seinerzeit nicht zu denken. Beim Tod Wilhelm Josef Langens 1942 war die Geschichte Remagens in vorbildlicher Weise aufgearbeitet.

1945 Wendepunkt in der Erforschung der Stadtgeschichte

Carl Maria Funck, der Heimatmuseum und nach Langens Tod auch das Stadtarchiv betreute, kam 1945 ums Leben. Das Museum war beschädigt und geplündert, es konnte erst 1955 wieder eröffnet werden. Langens Chronik war verlorengegangen. Die Bestände des Stadtarchivs verschwanden für fast ein Viertel Jahrhundert auf Speichern, wo sie Ende 1960er Jahre von Klaus Flink geborgen wurden. Klaus Flink war es auch, der in Remagen auf die Bedeutung der Urkunde von 1221 hinwies: „1221 befreit die universitas civium Regimagensium, also die Stadtgemeinde Remagen, die Mönche auf dem Apollinarisberg von jeglicher Steuerzahlung und verleiht ihnen das Recht, die städtische Allmende zu nutzen. Diese Urkunde ist mit dem heute noch gut erhaltenen Siegel der Stadt versehen, das die selbstbewusste Umschrift sigillum libere civitatis riemage trägt, also Siegel der freien – wohl im Sinne von reichsfreien – Stadt Remagen. Spätestens zu diesem Zeitpunkt ist Remagen im vollgültigen Sinne Stadt gewesen".9) Anlass zu seinem Vortrag „Zur Geschichte des Raumes Remagen" am 30. Mai 1969 war die Auflösung der Verbandsgemeinde zwecks Zu­sam­menschlusses zur Großgemeinde „Stadt Remagen".

Die 750-Jahr-Feier von 1971

Dieser Impuls führte zur 750-Jahr-Feier der Stadt Remagen im Oktober 1971. Jürgen Haffkes Beobachtung, dass „sich zu Ortsjubiläen Aktivitäten regen, über die lokale Geschichte zu reflektieren",10) findet sich bestätigt: Mittelpunkt des Jubiläums war eine Ausstellung „Zur Geschichte der Stadt Remagen am Rhein" im Saal des Hotels Anker, die durch einen Katalog begleitet wurde.11) Die Heftreihe RIGOMAGUS wurde begründet, in der noch 1971 Klaus Flinks methodisch grundlegender Aufsatz „Zur Topographie der Stadt Remagen im Mittelalter" erschien.12) Es folgten die Bürgermeisterchroniken von 1813-1932.13) Ebenfalls zum Jubiläum entstand ein Bildband mit Schwarzweißfotos von Fritz Rübbert, der nicht nur die Sehenswürdigkeiten, sondern auch das Leben in Remagen festgehalten hat. Wenn 2001 ein neuer Bildband, diesmal mit Farbfotos von Volker Thehos, auf den Markt kommt, zeigt sich nebenbei auch deutlich, welcher Fortschritt in der Drucktechnik eingetreten ist.

Entwicklungen seit 1971

Nach 1971 gab es mehrere Ereignisse, die von Publikationen begleitet waren. Einige seien hier nur aufgezählt, da sich der Leser aus den seither erschienenen Heimatjahrbüchern dazu leicht selbst ein Bild machen kann14). 500 Jahre Schützen 1978, Eröffnung des Friedensmuseums 1980, Renovierung der Pfarrkirche St. Peter und Paul 1983, Einweihung der Kapelle der Schwarzen Madonna in Erinnerung an das Kriegsgefangenenlager Remagen/Sinzig 1987.

1978 wurden die Bestände des Archivs der Stadt Remagen im Landeshauptarchiv Koblenz deponiert, da die Stadt Remagen keinen geeigneten Raum dafür hatte. Seit 1983 sind sie durch ein Inventar erschlossen.15) Die Durchsicht dieses Inventars zeigt das Haupthindernis auf dem Weg zu einem zusammenfassenden Band über die Geschichte Remagens. So sehr das Archiv im Laufe der Zeit gelitten haben mag, es umfasst noch immer umfangreiches Material aus dem späten Mittelalter und der frühen Neuzeit. Die Kanzeleischriften der Remagener Stadtschreiber müssten zunächst gelesen werden, dann wäre das Material daraufhin zu untersuchen, welche Aussagen es über die Verfassungs-, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte einer kleinen Landstadt und ihrer Bewohner zulässt. Hinzu kommt, dass es weiteres Material über Remagen auch noch in anderen Beständen und in anderen Archiven gibt, das ebenfalls berücksichtigt werden müsste.

Auch die römische Epoche lässt sich nicht so einfach zusammenfassen, wie es auf den ersten Blick erscheint. In seinem Fundstellenkatalog des Kreises Ahrweiler hat Otto Kleemann 1971 für Remagen 45 Fundstellen zusammengestellt. Den Bereich des Kastells selbst hat er einer eigenen Publikation vorbehalten, die jedoch nicht erfolgte.16) Eine erneute Durchsicht der publizierten Fundnotizen ergibt für Remagen über 160 Fundmeldungen. Seit der Notbergung im Annakloster 1981, deren Funde in einer Ausstellung in der Kreissparkasse präsentiert wurden, hat es eine Reihe von neuen Befunden gegeben, die noch nicht ausgewertet sind.

Die Anfänge von Remagen und das Jubiläum im Jahre 2001

Dass im Rheinland fast alles auf die Römer zurückzuführen ist, ist eine weit verbreitete Erkenntnis. 2000-Jahr-Feiern gab es 1988 in Andernach und 1989 in Bonn. Grundlage waren archäologische Funde, die der Zeit des Drusus (16-9 vor Chr.) zugeordnet werden.17)

Während seiner Grabungen im Bereich der Remagener Pfarrkirche St. Peter und Paul im Jahre 1900 war der Archäologe Hans Lehner überzeugt davon, ein römisches Holz-Erde-Kastell aus der Zeit des Drusus gefunden zu haben. Diese Meinung musste er bei genauerer Untersuchung der Münz- und Keramikfunde revidieren. In Remagen waren inzwischen aber schon Drususplatz und Drususstraße nach dem vermeintlichen Stadtgründer benannt worden. Seither wurden unterschiedliche spätere Datierungen für das erste römische Kastell vorgeschlagen, ohne dass es schlüssige archäologische Beweise gibt. Möglicherweise wurde es erst um 43 n.Chr. errichtet, als der Britannienfeldzug des Claudius eine Neugruppierung der römischen Truppen am Rhein erforderte.18)

Zwei Eichenbalken aus der Grabung von 1900 wurden im Museum aufbewahrt und 1985 im Rheinischen Landesmuseum Trier dendrochronologisch untersucht. Diese naturwissenschaftliche Untersuchung basiert auf dem Vergleich der Jahresringe von Bäumen. Demnach stammt einer der in Remagen gefundenen Balken von einer Eiche, die zwischen dem Jahr 6 vor und dem Jahr 6 nach Christus gefällt und verarbeitet wurde. Dieses Ergebnis verblüffte zunächst, da es nicht zu dem archäologischen Befund zu passen schien, der ein römisches Kastell für die Zeit um Christi Geburt nicht mehr vorsah. Ein Foto und eine Zeichnung der Grabung von 1900 zeigen, dass die Bauweise der Palisade nicht der einer römischen Holz-Erde-Mauer entspricht. Wahrscheinlich gab es hier schon eine Siedlung, bevor das römische Militär den strategisch wichtigen Platz besetzte, an dem die Straße nach Bonn leicht gesperrt werden konnte. Über Lage und Umfang der vorrömischen Siedlung oder über ihre Bewohner sind allerdings derzeit keine Aussagen möglich. Die von Ursula Heimberg 1989 für Bonn getroffene Feststellung mag auch für Remagen gelten. Dem derzeitigen Forschungsstand zufolge ist Remagen ungefähr 2000: „Man mag sich darauf einigen, dass nicht an die tagespolitischen Ereignisse jener Jahre erinnert werden soll, sondern an die kulturellen und zivilisatorischen Wurzeln".19)

Rigomagus

Der antike Name RIGOMAGUS (keltisch „Königsfeld") wird ein einziges Mal bei einem antiken Schriftsteller erwähnt. Zum Jahr 356 berichtet Ammianus Marcellinus, dass nach einem Germaneneinfall zwischen Koblenz und Köln nur das „Rigomagum oppidum" und ein Turm bei Köln unzerstört geblieben war. Auf der Peutingerschen Tafel, die auf einer römischen Straßenkarte beruht, ist „Rigomagus" zwischen „Bonna" und „Antunnacum" verzeichnet. Der Meilenzeiger von Tongeren führt an entsprechender Stelle ebenfalls [Rigo]magus auf. Dies ist bemerkenswert, denn für viele Kastelle des niedergermanischen Limes ist nicht einmal der antike Name bekannt.20)

Trotz der vielen Inschriften, die in Remagen gefunden wurden, ist auch das Ende des römischen Kastells, das wohl am Ende des 3. oder am Beginn des 4. Jahrhunderts zu einer Festung ausgebaut wurde, nicht überliefert.21) Frühe Christen und die Existenz einer Kirche wurden für das 5. Jahrhundert nachgewiesen.22) Einen Beweis für Siedlungskontinuität zum Mittelalter gibt es zwar nicht, aber allein schon der Weiterbestand des Namens Rigomagus ist ein starkes Indiz dafür, dass der Ort in den Wirren des späten 5. und des 6. Jahrhunderts nicht untergegangen ist.

Urkundliche Erwähnungen im frühen Mittelalter

Lange Zeit galt die Erwähnung von „Regamaga" in der Urkunde Lothars II. vom 28. Juni 856 als erste Nennung im Mittelalter. Jedoch sind drei Schenkungen an das Kloster Lorsch „in Regomago" bzw. „in regomensi marca" zwischen 770 und 773 belegt. Mit den dort genannten Ortsbezeichnungen ist auch die Schenkung eines Wingerts „in castro Rigomo super fluvio Burdist" an die Abtei Stablo vom 6. Januar 755 eindeutig auf Remagen zu beziehen.23) Über Jahrhunderte hinweg sind Urkunden über Schenkungen vonLändereien oder Einkünfte die einzigen Nachrichten, die zu Remagen überliefert sind. Wir erfahren aus ihnen, dass es Weinbau, Land- und Waldwirtschaft gab. Um das Jahr 1000 hatten mehrere Klöster Besitz in Remagen.

Es ist nicht zu erwarten, dass sich Entwicklungsprozesse wie z.B. Besiedlung, Christianisierung oder Stadtwerdung mit exakten Daten fassen lassen. Oftmals kann nur versucht werden, sie aus späteren Nachrichten zu rekonstruieren. Es ist auch nicht einfach zu entscheiden, welche der bekannten Ereignisse Meilensteine auf dem Weg des Gemeinwesens sind, der zur heutigen Stadt mit ihren 16.000 Einwohnern und ihren vielfältigen wirtschaftlichen, religiösen, politischen und kulturellen Grundlagen führte.

Blick auf Remagen vor 1930

Das hohe und späte Mittelalter

Im Jahre 1110 wurde auf Betreiben von Remagenern auf dem Martinsberg eine Propstei der Abtei Siegburg begründet, die im 14. Jh. mit Reliquien des Hl. Apollinaris ausgestattet wurde. 1221 befreite die Remagener Bürgerschaft die Mönche auf dem Berg von jeglicher Steuerzahlung. Ein 1980 bei Remagen gefundener Münzschatz mit zum Teil in Remagen geprägten Silberpfennigen des 11. Jahrhunderts wirft die Frage erneut auf, warum solche Silberpfennige an zahlreichen Orten rund um die Ostsee gefunden wurden, kaum aber in der Nähe ihrer Prägestelle. Könnte dies ein Indiz dafür sein, dass es in Remagen reiche Fernhändler gab?24) Diese reichen und selbstbewussten Remagener stellten im 12. Jh. eigene Urkunden aus und führten ein eigenes Siegel, aus denen ihr Anspruch hervorgeht, dass Remagen eine „freie" Stadt ist. 25)

1198 wurde Remagen niedergebrannt. 1246 erfolgte die Weihe der wieder erbauten Pfarrkirche St. Peter und Paul. 1248 wurde Remagen von König Wilhelm von Holland vollständig an den Grafen Adolf von Berg verpfändet, damit setzte die Entwicklung von der „freien" zu einer kleinen landesherrlichen Stadt ein. 1357 gestattete Kaiser Karl IV den Grafen von Berg das „Dorf" Remagen mit einer Mauer zu befestigen. Für 1269 wird erstmals in den Quellen ein Bürgermeister genannt, 1306 Schöffen und Räte. 1539 wurde ein neues Rathaus erbaut, das 1810 abgerissen wurde. 1549 wurde in Oberwinter die Reformation eingeführt.26) Ende des 16. Jh. gab es auch in Remagen eine reformierte Gemeinde, die 1684 das „Steinhaus" erwarb und 1871 eine eigene Kirche erbaute. Immer wieder gab es Rückschritte, vor allem als Folge von Kriegen. Im 30-jährigen Krieg wurde Remagen mehrfach geplündert. 1666 fiel fast die Hälfte der Einwohner der Pest zum Opfer.

Neuzeit

Als Folge des Einmarsches von französischen Truppen 1794 wurde Remagen ab 1801 Teil der französischen Republik, 1815 kam es zu Preußen. Industrialisierung, Eisenbahn, Automobil und Elektrizität veränderten das Leben seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts grundlegend. Der wirtschaftliche Aufschwung wurde durch den Ersten Weltkrieg und die nachfolgende französische Besatzung unterbrochen. Die Endphase des Zweiten Weltkriegs brachte Tod und Zerstörung durch Bombenangriffe 1944/45. Die Einnahme der „Brücke von Remagen" durch US-Truppen am 7. März 1945 machte Remagen weltweit bekannt.

Die Zuordnung zum neuen Bundesland Rheinland-Pfalz unterbrach ab 1947 manch gewachsene Beziehung zum benachbarten Bonn. Die Wahl Bonns als Regierungssitz brachte zunächst nicht nur Vorteile für Remagen, wurden doch zahlreiche Gebäude für die Zwecke des französischen Hohen Kommissars auf Schloss Ernich beschlag-nahmt. Wie stark die Entwicklung Remagens von der Bonns als Regierungssitz beeinflusst war, zeigt sich nach dem Beschluss des Bundestages von 1991, Parlament und Regierung schnell nach Berlin zu verlegen. Mit dem Bau des Rhein-Ahr-Campus der FHKoblenz als Ausgleichsmaßnahme hat eine neue Phase der Entwicklung Remagens begonnen, und es bleibt abzuwarten, wie lange es dauert, bis sich „Hochschulstadt" neben „Römerstadt" als Bezeichnung für Remagen etabliert.

Dass der Standort schon in vorgeschichtlicher Zeit Vorteile bot, trat bei Grabungen 1979, 1985 und 1987 auf dem Schwalbenberg zutage. Vor 50.000 – 30.000 Jahren hatten hier schon Jäger gelagert, ob es noch Neandertaler oder schon moderne Menschen waren ist aufgrund der Steinwerkzeuge nicht zu entscheiden.27)

Nimmt man Jürgen Haffkes Bild eines Hauses für die Erforschung der Remagener Geschichte wieder auf, so zeigt sich, dass es 1945 zertrümmert wurde. Jedoch mit den Publikationen von Funck, Lehner und Langen blieben wichtige Bausteine erhalten. Mit dem derzeit im Landeshauptarchiv Koblenz deponierten Stadtarchiv gibt es eine gut sortierte Sammlung, deren Material darauf wartet, an entsprechender Stelle eingebaut zu werden. Berücksichtigt man die neueren Forschungsergebnisse, so erhält der Bauplan an vielen Stellen ein neues Aussehen. Dazu gehören auch die historischen Jubiläen. Remagen kann auch in Zukunft in seine vielfältige Geschichte zurückblicken. Dabei geht es nicht darum, an längst vergangene Daten zu erinnern, sondern an die kulturellen und zivilisatorischen Folgen. Ob dies in unserer Zeit des rasanten Wandels aller Lebensbereiche hilfreich ist, mag jeder für sich selbst entscheiden.

Anmerkungen:

  1. Heimatjahrbuch Kreis Ahrweiler 1994, S. 211.

  2. Heimatjahrbuch Kreis Ahrweiler 1998, S. 207.

  3. Christian von Stramberg:Rheinischer Antiquarius Bd. III, 9. Koblenz 1869, S. 179-260. Hier S. 179.

  4. Bonner Jahrbücher 80 (1885), S. 161-183.

  5. Johannes Krudewig: Die historischen Archive in der Stadt Remagen. In : Rheinische Archivübersicht Bd. V. Bonn 1916. S. 110-136. Hier bes. S. 120.

  6. Wilhelm Josef Langen: Remagen in den Kriegen des Mittelalters bis nach dem spanischen Erbfolgekriege. Koblenz 1907. Ders.: Remagen in den Jahren 1793 bis 1817. Remagen 1913. Ders.: Die Flurnamen vonRemagen (1925). Ders.: Amtslisten von Remagen. Sonderabdruck aus den Mitteilungen der Westdeutschen Gesellschaft für Familienkunde. Bonn 1925.

  7. Heimatkalender für den Kreis Ahrweiler 1926, S. 88-90.

  8. Wilhelm Josef Langen:Vom Stadtarchiv inRemagen. In: Rheinische Heimatpflege 9 (1937), S. 377-379.

  9. Klaus Flink: Zur Geschichte des Raumes Remagen. In: Rheinische Heimatpflege NF 1969, S. 293-311. Zitiert nach: RIGOMAGUS 1, Remagen 1969, S. 11. Vgl. Auch Klaus Flink: Fiskus und civitas libera.Herrschaft und Gemeinde inRemagen vom 12.-14. Jahrhundert. In: Ann.Histor.Ver.Niederrh. 176 (1974), S. 20-40

  10. Wie Anm. 1, S. 213.

  11. Einladung, Festprogramm, Ausstellung zur 750-Jahr-Feier der Stadt Remagen. RIGOMAGUS4, Remagen 1971.

  12. Klaus Flink: Urkarte und Lagerbuch. Zur Topographie der Stadt Remagen im Mittelalter. In: Rheinische Heimatpflege NF 1971, S. 1-24. Zugleich: RIGOMAGUS 2. Remagen 1971.

  13. Klaus Flink: Chronik der Stadt Remagen von 1813-1879. RIGOMAGUS 3. Remagen 1972. Ders.: Chronik der Stadt Remagen 1879-1932. RIGOMAGUS 6. Remagen 1984.

  14. Vgl. die Literaturübersichten im Heimatjahrbuch seit 1985

  15. Inventar des Archivs der Stadt Remagen. Veröffentlichungen aus rheinland-pfälzischen und saarländischen Archiven, Kleine Reihe Heft 28. Koblenz 1983.

  16. Otto Kleemann: Vor- und Frühgeschichte des Kreises Ahrweiler. Köln 1971. S. 103-108.

  17. Vgl. Ursula Heimberg: Die römische Ära Bonns. Historische Meile. 2.000 Jahre Bonn Etappen der Stadtgeschichte. Köln 1989, S. 3-5.

  18. Vgl. Kurt Kleemann: Das römische Museum Remagen. Rheinische Kunststätten Heft 401. Köln 1994, S. 5. Die neueste Aufstellung bietet Rainer Wiegels: Inschriftliches aus dem römischen Remagen. In: ARCULIANA, Festschrift Hans Bögli. Avenches 1996, S. 529-544, bes. 529 mit Anm. 3.

  19. Heimberg, wie Anm. 17, S. 5. Vgl. Kleemann, wie Anm. 18. Klaus Flink, Fiskus, wie Anm. 9. S. 20 nahm 1974 an, die Römer hätten das Kastell „in der Nähe des keltischen Rigomagus" errichtet.

  20. Vgl. Kleemann, wie Anm. 18, S. 3. Tongeren blickte übrigens schon 1985 auf 2000 Jahre zurück.

  21. Wiegels, wie Anm. 18.

  22. Helga Hemgesberg: Die ersten Remagener Kirchen im Lichte eines frühchristlichen Schrankenfragments. In: Ann. Histor. Ver. Niederrh. 189 (1986), S. 9-34.

  23. MGHDDLothar II. Nr. 5. Lorscher Codex, Bd. V, Nr. 3804-06. Halkin/Roland I, 20. Vgl. Zum Besitz der Abtei Stablo: Manfred van Rey: Der deutsche Fernbesitz der Klöster und Stifte der alten Diözese Lüttich vornehmlich an Rhein, Mosel, Ahr und in Rheinhessen, Teil 1. In: Ann.Hist..Ver.Niederrh. 186 (1983), S. 19-80.

  24. Klaus Petry: Der Münzschatz von Remagen. In: Berichte zur Archäologie an Mittelrhein und Mosel 4. Trier 1995, S. 277-304. Über die Entwicklung desReichgutes vgl. Ulrich Helbach:Das Reichsgut Sinzig. Rheinisches Archiv 122. Köln, Wien 1989.

  25. Das Siegel und damit das Wappen von Remagen sind nach wie vor nicht befriedigend gedeutet, vgl. Flink, Fiskus, wie Anm. 9, S. 27 mit Anm. 25.

  26. Michael Schankweiler-Schell (Hg.): 450 Jahre Evangelische Kirchengemeinde Oberwinter 1549-1999. Remagen 1999.

  27. App, Auffermann, Hahn, Pasda u. Stephan: Die altsteinzeitliche Fundstelle auf dem Schwalbenberg bei Remagen. In: Archäologie am Mittelrhein 4. Trier 1995, S. 11-136