Freilaufverbot für Geflügel: Was bedeutet das konkret?
Dr. Hehlein: Infektionen des Hausgeflügels möglichst verhindern

Welche praktischen Konsequenzen hat die Eilverordnung des Bundesverbraucherministeriums zur Vogelgrippe, die am Samstag, 22. Oktober, in Kraft tritt und bis 15. Dezember gültig ist, für Gefügelhalter im Kreis Ahrweiler? Die Kreisverwaltung Ahrweiler nennt Einzelheiten.

Alle Geflügelhalter, auch Hobbyhalter mit nur wenigen Tieren, sind verpflichtet, ihr Geflügel in einem Stall zu halten. Mit Geflügel gemeint sind Hühner, Truthühner, Perlhühner, Rebhühner, Fasane, Laufvögel, Wachteln, Enten und Gänse. Tauben, Kanarienvögel oder Papageien sind von der Verordnung nicht betroffen.

Kreis-Amtstierarzt Dr. Karl Hehlein führt weiter aus: Hausgeflügel dürfe nur dann außerhalb geschlossener Ställe gehalten werden, wenn die Tiere durch dichte Abdeckungen von oben gegen Wildvögelkot geschützt seien. „Netze oder Drahtgeflechte reichen nicht aus“, betont der Veterinär. Außerdem müsse durch seitliche Begrenzungen, beispielsweise durch einen Maschendrahtzaun, sichergestellt sein, dass keine Vögel eindringen können.

Die Geflügelhalter müssten dem Veterinäramt unverzüglich anzeigen, wenn sie ihr Geflügel außerhalb eines geschlossenen Stalls halten. Neben diesen Sicherungsmaßnahmen müsse einmal monatlich eine klinische tierärztliche Untersuchung durchgeführt und dokumentiert werden. Ferner müsse Geflügel, das trotz der Verordnung nicht in geschlossenen Ställen gehalten werde, bis 15. Dezember 2005 mindestens einmal gezielt auf den Vogelgrippe-Virus untersucht werden.

Der Amtstierarzt weist darauf hin, dass für überregionale Geflügelmärkte, Geflügelschauen oder Geflügelausstellungen bestimmte Voraussetzungen gelten. So müsse das dort ausgestellte Geflügel mindestens 14 Tage unmittelbar vor Beginn der Veranstaltung in geschlossenen Ställen gehalten worden sein. Außerdem müssten die Ausstellungstiere längstens zwei Tage vor der Veranstaltung klinisch von einem Tierarzt untersucht werden.

Der Veterinär des Kreises Ahrweiler erinnert auch an Hygiene beim Umgang mit Geflügel: Die Tierhalter sollten nicht mit Straßenschuhen, an denen möglicherweise infizierter Geflügelkot klebe, die Stallungen betreten. Die Futter- und Tränkegefäße im Auslauf sollten möglichst entfernt werden, damit kein Wildgeflügel angelockt werde. Der Zutritt zu den Stallungen soll fremden Personen oder anderen Haustieren, etwa Hunden und Katzen, nicht gestattet werden.

Die Eilverordnung und alle daraus resultierenden Schutzmaßnahmen dienten einem einzigen Zweck: eine Infektion des einheimischen Geflügels durch Kontakte mit den wildlebenden Artgenossen auf dem Weg nach Süden zu verhindern. Das Risiko einer solchen Ansteckung sei in den letzten Tagen gewachsen, nachdem ein Ausbruch mit dem Virus H5N1 rund 200 Kilometer südlich von Moskau bestätigt wurde. Experten des Friedrich-Loeffler-Institutes hätten bei der Risikobewertung die Ansteckungsgefahr durch Zugvögel bisher als gering bis mäßig bezeichnet. Nach dem Ausbruch der Geflügelpest im europäischen Teil Russlands werde die Gefahr einer Infektion als mäßig bis hoch eingeschätzt, so Dr. Hehlein.

Am vergangenen Dienstag wurde in einer Bund-Länderreferentensitzung in Bonn eine Aufstallpflicht für Geflügel auf der Grundlage einer Risikobewertung erarbeitet. In diesem Falle wäre im Kreis Ahrweiler lediglich die Region um den Laacher See vom Freilaufverbot betroffen gewesen. Durch die Eilverordnung des Bundes gilt die Stallpflicht aber für das ganze Bundesgebiet.




© Kreisverwaltung Ahrweiler - 21.10.2005