Schüler geben die Impulse für „Kunst am Bau“
Sieben Kreis-Schulen erhalten Kunstwerke – Startschuss in Adenau – Mikrofon im Chemieraum verschlüsselt Töne und setzt sie in farbiges Licht um

Zum Abschluss seines großen Schulbauprogramms mit der baulichen Modernisierung aller elf Schulen in seiner Trägerschaft startet der Kreis Ahrweiler das Projekt „Kunst am Bau“. Sieben der elf Kreisschulen profitieren von der gesetzlichen Vorschrift, wonach im öffentlichen Bereich Mittel für die Kunstförderung reserviert sind.

„Unser umfassendes Schulbauprogramm bietet auch gute Chancen für die Kunst“, erklärte Landrat Dr. Jürgen Pföhler, der die Abstimmungen mit allen beteiligten Stellen frühzeitig in die Wege geleitet hatte. So wurden die sieben Einzelausschreibungen für die jeweiligen Schulen vorab in einem großen Wettbewerbspool zusammengefasst – ein in Rheinland-Pfalz einmaliges Verfahren, für das sich der Kreis- und Umweltausschuss entschieden hatte. Vorteil: Die Arbeit der Jury wurde effizienter, die Qualität der eingereichten Arbeiten attraktiver.

Vor allem aber erhalten die AW-Schulen ein neues gemeinsames Profil – mit interaktiver Kunst unter konzeptioneller Anleitung der Siegergruppe „conhereos“ aus Wiesbaden. Diese Künstlergruppe wurde von der siebenköpfigen Jury unter 60 eingereichten Arbeiten auf Platz 1 gesetzt. Grund: „Deren künstlerische Entwürfe reagieren äußerst angemessen auf die vorgegebenen architektonischen Bedingungen und gehen gleichzeitig auf die sozialen und kulturellen Möglichkeiten der Schülerinnen und Schüler ein“, wie der Mainzer Professor Dieter Kiessling das Votum der Jury zusammenfasste.

Der Startschuss ist jetzt in Adenau gefallen. Markus Quiring und Mirko Schwartz von conhereos haben ihre künstlerischen Entwürfe am Erich-Klausener-Gymnasium (EKG) vorgestellt. In den nächsten Wochen soll dort – mit der Installation einer Licht-Ton-Kunst – das erste Projekt verwirklicht werden. Dann erhält das EKG nach den conhereos-Vorschlägen eine interaktive Kunst, an der die Schülerinnen und Schüler unmittelbar beteiligt sind.

Genauer: Die im Unterricht messbaren Tonfrequenzen sind Ausgangspunkt des künstlerischen Gedankengangs, der Ton in Licht verwandeln will. Über ein im Chemieraum installiertes Mikrofon sollen die Geräusche verschlüsselt, verlangsamt weitergegeben und in farbiges Licht umgesetzt werden. Die neue Beleuchtung kommt dem Pausenhof zugute, seine noch dunkle Arkade wird bald in neuer Farbigkeit erstrahlen. Für die Schule ergibt sich damit eine neue Alltagswahrnehmung in der sonst eher nüchternen Schularchitektur. Schüler und Lehrer können spekulieren über die medialen Zusammenhänge von Ton und Licht oder sich als Auslöser eines künstlerischen Prozesses erkennen.

Weitere Kunstwerke erhalten in den nächsten Wochen die Janusz-Korczak-Schule in Sinzig und die Realschule Ahrweiler. Geplant sind ein Schulgarten (Korczak) und ein Aussichtsplateau als Rückzugsoase (Realschule). An den Arbeiten für die Realschule Ahrweiler ist auch die Brohltaler Künstlerin Karin Meiner beteiligt.

Im Herbst soll das Rhein-Gymnasium Sinzig mit Kunst am Bau versehen werden. Dort fängt conhereos Bewegungsabläufe mit einer Kamera ein, um sie als Impulse einer Bildschirmanimation zu verwenden. Schließlich steht das Peter-Joerres-Gymnasium mit einer technischen Pausenhofinstallation auf der Auftragsliste von conhereos. Die Berufsbildende Schule Bad Neuenahr-Ahrweiler hat sich für einen anderen künstlerischen Entwurf entschieden, der mit plastischen Figuren arbeitet.

Das Are-Gymnasium ist wegen der laufenden Arbeiten zum neuen Erweiterungsgebäude zurückgestellt. An den vier weiteren der insgesamt elf Schulen in Trägerschaft des AW-Kreises kommt das Kunst-am-Bau-Vorhaben nicht zum Tragen, nämlich an den Förderschulen Don-Bosco und Levana in Bad Neuennahr-Ahrweiler, der Burgweg-Schule in Burgbrohl und der Nürburgring-Schule in Wimbach. Dort standen keine solch umfangreichen Bauarbeiten an wie an den anderen Schulgebäuden.

Die Idee, mit ihren Installationen die alltägliche Wahrnehmung zu reflektieren und ins soziale Bewusstsein zu bringen, verfolgen die conhereos-Künstler auch an anderen Orten in Deutschland. Jüngste Wettbewerbssiege des Teams um Quiring und Schwartz in Hamburg und Pirmasens zeigen, dass die sogenannte Sozialplastik voll im Trend liegt.

Kunstinteressierte müssen also demnächst nicht nur ins Arp-Museum strömen, um zeitgenössische Kunst zu erleben. Und die Schüler des Kreises Ahrweiler sind bald unmittelbar beteiligt an der Kunst – quasi als Impulsgeber.

FOTOS:
(Gruppenfoto vor Schule) Mirko Schwartz (v.l.), Markus Quiring, Dr. Jürgen Pföhler sowie die großen und kleinen Künstler des Erich-Klausener-Gymnasiums Adenau mit Schulleiterin Christa Killmaier-Heimermann und ihrem Stellvertreter Michael Vogel freuen sich auf „Kunst am Bau“.










© Kreisverwaltung Ahrweiler - 10.07.2009