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Kreisverwaltung Ahrweiler - Rahmen und Zielsetzung des Projekts

Rahmen und Zielsetzung des Projekts

Der Paradigmenwechsel in der Unterstützung von Menschen mit Behinderungen weg von der Fürsorge hin zur Teilhabe und Assistenz findet seinen aktuellen Ausdruck in der UN-Konvention zum Schutz der Rechte von Menschen mit Behinderungen (UN-BRK) und der darin enthaltenen Leitorientierung der Inklusion. Die UN-BRK bezieht sich auf „Menschen, die langfristige körperliche, seelische, geistige oder Sinnesbeeinträchtigungen haben, welche sie in Wechselwirkung mit verschiedenen Barrieren an der vollen, wirksamen und gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft hindern können“ (Art. 1). Dieses sehr offene Verständnis von Behinderungen schließt ganz eindeutig auch Menschen ein, die pflegebedürftig sind. Sie begründet einen Planungsansatz, der sich zugleich auf das Leistungsgeschehen und die Entwicklung einer für alle zugängliche und nutzbare Infrastruktur bezieht.

Die Zielvorstellung eines inklusiven Gemeinwesens, in dem die Teilhabe aller Menschen an allen gesellschaftlichen Lebensbereichen selbstverständlich ist, kann für die unterschiedlichen Akteure auf kommunaler Ebene eine Leitorientierung bieten. In dieser Perspektive beziehen sich kommunale Planungsprozesse nicht nur auf Leistungen für Menschen mit Beeinträchtigungen, sondern auf die inklusive Gestaltung der gesamten lokalen Infrastruktur. Wenngleich eine Fokussierung auf die spezifischen Bedürfnisse von Menschen mit Beeinträchtigungen notwendig bleibt, nimmt die Planung Risiken der Ausgrenzung anderer gesellschaftlicher Gruppen, die von Benachteiligung bedroht sind, mit in den Blick.

Die Bereiche der Pflege und der Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderungen sind für eine soziale Kommunalpolitik in fachlicher, versorgungspolitischer und kostenbezogener Hinsicht von großer Bedeutung. Es ist im Interesse des Gemeinwohls dafür zu sorgen, dass die öffentliche Infrastruktur auch pflegebedürftigen und behinderten Bewohner/innen im Landkreis Ahrweiler barrierefrei zugänglich ist. Zudem soll ein Unterstützungsangebot verfügbar sein, das modernen fachlichen und sozialrechtlichen Standards entspricht und gleichzeitig den wirtschaftlichen Möglichkeiten der Kommune Rechnung trägt. Die sozialräumlichen Bedingungen sollen so entwickelt werden, dass behinderte und damit auch pflegebedürftige Menschen unabhängig von ihrem Unterstützungsbedarf in einer eigenen Häuslichkeit wohnen können. In diesem Zusammenhang wurden in den vergangenen Jahren einerseits zahlreiche neue Hilfekonzepte und Angebote entwickelt, die im Bereich der Pflege und der Behindertenhilfe zum Teil Ähnlichkeiten aufweisen. Zudem wurden insbesondere durch die Reform der Pflegeversicherung neue Leistungen geschaffen, die die Situation von Pflegebedürftigen und ihrer Angehörigen deutlich verbessern können. Der Landkreis Ahrweiler will dazu beitragen, dass die darin liegenden Chancen zur Entwicklung der Unterstützungsangebote für Menschen mit Behinderungen und Pflegebedürftigkeit soweit wie möglich genutzt werden können. Dafür sollen innovative Planungskonzepte verwendet werden, die durch sozialräumliche Orientierung den spezifischen Bedingungen des Landkreises gerecht werden und so gute Erreichbarkeit, Fachlichkeit und Bürgernähe der Sozialen Dienste sicherstellen wollen.

Angestrebt wird eine Fortschreibung und Erweiterung der Anfang der 2000er Jahre erhobenen kreisbezogenen Daten, um tragfähige Planungsgrundlagen zu erhalten. Zudem soll ein sozialräumliches Planungskonzept erstellt und initiiert werden, das eine ortsnahe Beratung der Leistungsberechtigten gewährleistet, die Möglichkeiten der Selbstorganisation stärkt, Ansätze einer sozialräumlichen Entwicklung der Unterstützungsangebote eröffnet und die Koordinations- und Steuerungsmöglichkeiten des Kreises erhöht. Insgesamt ist es das Ziel des Landkreises Ahrweiler, seine Politikfähigkeit im Bereich der Entwicklung einer inklusiven Infrastruktur und inklusionsorientierter Dienste und Einrichtungen zu erhöhen.


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